Sammle Puzzlestücke zur Selbsterkenntnis

Vielleicht bist du schon an einem Punkt in deinem Leben, an dem du gemerkt hast, dass du sensibler bist als andere Menschen.

Ich habe schon immer gerne Zeit nur mit mir alleine verbracht. Gemalt, mein Kinderzimmer verändert, spazieren gegangen.

Die Zeit alleine in meinem Zuhause, sie hilft mir zur Ruhe zu kommen. Das mein Vorgehen aus einem Overload an Reizen resultiert und es nur eines der Merkmale von Vielen meiner hochsensiblen Beschaffenheit ist, habe ich erst später verstanden.

Das Erkennen, dass man hochsensibel ist

Oft setzt sich über Jahre ein Puzzle aus Erlebnissen und Aha-Momenten zusammen, die dies erkennen lassen. Bis einem das Licht der Erkenntnis aufgeht und man sich auf einmal viel besser verstehen lernt.

Wenn du selbst auf dem Weg bist und den Spuren folgen willst, erkennst du dich vielleicht hier wieder…

  • Radio, Gespräche, Handyklingeln, ein Piepen… Mehrere Geräuschquellen stressen dich und du verlierst den Fokus.
  • Wohlfühl-Lautstärke: Wenn du die Lautstärke vom TV einstellen kannst ist alles bestens, doch, wenn jemand anderes daran rumdreht, fühlst du direkt ein gewisses Unbehagen.
  • Die „winzigsten“ Geräusche können dich in den Wahnsinn treiben: ein leises Ticken der Uhr, ein Rauschen des Kühlschranks und das Atmen eines Menschen in deiner Nähe. Du kannst die Aufmerksamkeit einfach nicht davonlassen. Nachts versuchst du alle Geräusche zu eliminieren, um Schlafen zu können.
  • Du nimmst die Energie der Menschen, um dich herum auf einer anderen Ebene war. Du fühlst dessen Gemüt ohne dass ihr redet. Dir fällt es schwer dich davor zu schützen und fühlst es direkt in deinem Körper.
  • Nachrichten und Dokumentationen, die Ungerechtigkeiten, brutale Ereignisse oder Beängstigendes zeigen, kannst du kaum ertragen.
  • Du kannst dich schnell für Dinge begeistern. Wenn Sie dir aber nicht genug „geben“, wendest du dich auch schnell wieder ab.
  • Du kannst Smalltalk, aber du suchst eher die deepen Gespräche. Du brauchst mehr Tiefe im Austausch mit anderen Menschen. Das oberflächliche Geplänkel ermüdet dich.
  • Du bist zugempfindlich und würdest am liebsten fast das ganze Jahr Schal tragen. Das Tuch um deinen Hals gibt dir ein sicheres, geborgenes Gefühl.
  • Kleine Schilder, kratzige Pullis oder Nähte kannst du nicht ertragen.
  • Du bist gern alleine und oft zurückhaltend. Kannst aber auch für etwas brennen und wenn es um bestimmte Dinge (z.B. Ungerechtigkeit) geht wirst du fast laut.

Ich habe mich auch über viel Recherche und Austausch an das Thema herangetastet und viele kleine Puzzleteile haben Sinn ergeben:

  • Warum ich die Gefühle anderer sehr schnell erfasse
  • Warum ich harmonische Räume, Farben, Formen und Materialien so liebe
  • Warum ich so detailverliebt bin
  • Warum ich sehe wie ich sehe
  • Warum ich mir kein dickes Fell anschaffen kann

Warum erzähle ich dir was von Hochsensibilität? Bin ja keine Psychologin.

Jedoch hat mir die Erkenntnis geholfen und mich bestätigt, indem was ich tue. Es hat mir rückblickend erklärt, warum ich als Kind so oft mein Zimmer umgeräumt habe. Ich war immer auf der Suche nach einem harmonischen Zuhause. Habe Raumkonstellationen und Kombinationen ausprobiert. Etwas was zu mir passte und eine Einheit ergab, in der ich mich wohl fühlte. Das war mein Weg zur Innenarchitektur.

Sobald du mehr über dich herausfindest und du verstehst, wie du tickst, desto mehr kannst du für dich selber sorgen und herausfinden was du wirklich brauchst. Die folgende Zusammenstellung zeigt dir mögliche Persönlichkeitsstrukturen hochsensibler Menschen.

DOES-Modell nach Dr. Elain Aron – die VIER häufigsten Merkmale hochsensibler Menschen

Das DOES-Modell wurde von Dr. Elaine Aron entwickelt, um die Eigenschaften hochsensibler Personen (HSP) zu beschreiben. Das Akronym „DOES“ steht für vier zentrale Merkmale, die hochsensible Menschen kennzeichnen:

D – Depth of Processing (Tiefe der Verarbeitung):

Hochsensible Menschen neigen dazu, Informationen, Gefühle und Erfahrungen intensiver und gründlicher zu verarbeiten als andere. Sie denken über Dinge nach, reflektieren über ihre Erlebnisse und ziehen tiefere Einsichten aus ihren – Erfahrungen.

  • Hochsensible haben vielschichte Gefühle und Gedanken, die sie intensiv wahrnehmen
  • Emotional intensiver erregbar
  • Wunsch nach Harmonie ist sehr ausgeprägt, Aggressionen werden dadurch gehemmt
  • „sentimental“, nach am Wasser gebaut (z.B. beim gucken von Filmen
  • Neigung zum Grübeln und oft Angst sich „falsch“ zu entscheiden
  • Anfälligkeit für Schuldgefühle
  • Schwierigkeit zwischen eigenen und fremden Gefühlen zu unterscheiden
  • Gedankenkarusell oft nachts
  • Oft starke Intuition (Gedankenkarusell hält jedoch davon ab, dieser immer sofort zu folgen)
  • Der Wunsch Fehler abwenden zu wollen, ist groß
  • Assoziatives Bilderdenken (oft bei Hochbegabten Hochsensiblen)

O – Overstimulation (Überstimulation):

Aufgrund ihrer intensiven Verarbeitung können hochsensible Personen schneller überstimuliert werden. Sie sind empfindlicher gegenüber Reizen aus ihrer Umgebung, wie Lärm, Licht oder emotionalen Spannungen, was zu Stress oder Überforderung führen kann.

  • Überreizung an Orten wie z.B. Supermärkten, Partys, Konzerten, es entsteht das Gefühl der Überanstrengung
  • Empfindlichkeit bei Geräuschen (Kinderlärm, Baustellen etc.)
  • Schreckhaftigkeit
  • Gefühl von „Zuviel“ bei Autofahrten und Bahn-Reisen
  • Schnelleres Ermüden und Erschöpfen durch Reize
  • Suche nach Rückzug und Ruhe zur Erholung
  •  

E – Emotional Reactivity and Empathy (Emotionale Reaktivität und Empathie):

Hochsensible Menschen zeigen oft eine stärkere emotionale Reaktion auf Ereignisse und sind in der Lage, die Gefühle anderer tief nachzuvollziehen. Diese ausgeprägte Empathie kann sowohl eine Stärke als auch eine Herausforderung sein.

  • Intensive und vielschichtige Gefühlswelt
  • Hochsensible können fühlen, wie es anderen geht und lassen sich davon licht beeinflussen
  • Wunsch anderen zu helfen ist dann groß
  • Gefühl von Verantwortung ist stark
  • Draht zu Kindern ist gut: Gefühl für Bedürfnisse
  • Starke Empathie für Tiere, Tierwohl liegt am Herzen
  • Hochsensible entwickeln oft „zu viel“ Verständnis für schwierige Menschen  (Retterkomplex)
  • Problem sich Abzugrenzen
  • Anfällig für Schuldgefühle und schlechtes Gewissen
  • Weltschmerz ist phasenweise hoch

S – Sensitivity to Subtlety (Empfindlichkeit gegenüber Feinheiten):

HSP nehmen subtile Details wahr, die anderen möglicherweise entgehen. Dies kann sich auf soziale Interaktionen, Umgebungsbedingungen oder emotionale Nuancen beziehen.

  • Natur berührt die Seele und verschafft Ruhe
  • Hochsensible haben oft einen Blick für Schönheit und Ästhetik und Ordnung
  • Ihre Umgebung (Kleidung, Wohnung, Farben, Gerüche) versetzen Sie in gute Stimmung, wenn es als harmonisch und stimmig empfunden wird
  • Sie können anderen Menschen in schwierigen Situationen Kraft geben
  • Faszination von Musik, Kunst, Film und Bildern
  • Gespür für Harmonien (künstlerisch, musisch, geschmacklich etc.)
  • Haben oft wenige, aber tiefe Freundschaften (Gespür für tiefe Gefühle)
  • Bedürfnis nach Nähe, Authentizität und Verbundenheit ist groß
  • Erhöhte Verletzlichkeit, Gefühl von Einsamkeit und Unverständnis
  • Harmonieliebend und Konfliktscheu
  • Geruchsempfindlichkeit, Berührungsempfindlichkeit, Geräuschempfindlichkeit
  • Regelmäßige Mahlzeiten sind förderlich für psychische Stabilität, da Hunger nicht gut ausgehalten wird
  • Schmerzen und Unwohlsein schneller und feiner spürbar
  • Gute Resonanz mit sanfter Medizin (Naturheilkunde, Hausmittel), Medikamente in niedriger Dosis schnell spürbar
  • Körperwahrnehmung ist sehr fein, sensibel und intensiv (können auf kleinster Ebene Unstimmigkeiten wahrnehmen)

Kannst du dich der Beschreibung wiedererkennen?

Wenn Menschen erkennen, dass dieser Begriff „Hochsensibel“ auf Sie zutreffen könnte, löst es zum einen Erleichterung, aber auch eine Verunsicherung aus.

Diese Überempfindlichkeit gegenüber Reizen und das schnellere Erschöpfen kann ja auch eine andere Ursache haben, wie z.B. phsychischen Störungen, ADHS oder Angststörungen. Wie kann man sicher sein?

Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern eine Beschaffenheit, ein Merkmal deiner Persönlichkeit. Man kann dies nicht medizinisch oder wissenschaftlich testen lassen, es kann nicht diagnostiziert werden.  

Der Weg zur Erkenntnis kannst du nur selber gehen. Allerdings besteht die Gefahr des Barnum-Effekts, der oft beim Lesen von Horoskopen auftritt: Man meint sich in den Beschreibungen, die eher allgemein gehalten sind, wiederzuerkennen und kann diese leicht mit eigenen Erfahrungen belegen.

(Wenn du dir trotz deiner intensiven Beschäftigung nicht sicher sein kannst, kann es ratsam sein dir Hilfe bei einem Coach oder Psychologen zu holen, der dich dabei unterstützen. Dann kann man sicher Ausschließen, ob es sich vielleicht „nur“ um eine Nebenerscheinung einer Erkrankung handelt.)

Rund jeder 5 Mensch ist hochsensibel. Das sind rund 20-25 % der Bevölkerung. Kein Hochsensibler gleicht dem anderen: Sensibel und doch stark unterschiedlich. Einige der o.g. Merkmale können sehr präzise auf dich zutreffen, während andere gar nicht passen. Vielleicht spürst du nur bei einigen eine Resonanz. Leg nicht alles auf die Goldwaage, sondern sehe es als ein Puzzleteil auf deinem Weg der Erkenntnis.

Das hochsensibel Sein sollte kein Markel oder Problem darstellen. Im Gegenteil.
Eine ausgeprägte Sensibilität und eine starke Wahrnehmungsfähigkeit sind Superkräfte. Lass dich von deiner Sensibilität inspirieren. Lerne, deiner Intuition wieder zu vertrauen und entwickle einen gesunden Umgang damit, um stets reflektiert, gerecht und realistisch zu bleiben.

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